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Aus der Luft gerettet!

Ein Drohnenflug am Hannover Airport? Das ist doch nicht möglich! Doch: Seit einigen Jahren kannst Du mit etwas Glück in den Morgenstunden in der Nähe des Hannover Airport zu einer ganz bestimmten Jahreszeit Drohnen sehen. Eine absolute Ausnahme. Der Grund: Tierschutz!

Es ist sechs Uhr morgens. Flughafenmitarbeiter und Naturliebhaber Jürgen von Ramin wird zum Einsatz gerufen. Der Auftraggeber: ein Landwirt aus direkter Nachbarschaft des Hannover Airport. Von Mai bis Ende Juni ist Setzzeit der Rehe. Um vor natürlichen Fressfeinden geschützt zu sein, werden die Kitze im hohen Gras auf die Welt gebracht. Auch die zahlreichen Felder und Wiesen im öffentlichen Bereich rund um die Nordbahn des Hannover Airport sind Geburtsort vieler Kitze. In dieser Zeit steht ebenfalls die Heu-Ernte an. Mähgeräte sind dann im Einsatz und mähen die Wiesen. Das birgt eine große Gefahr für Jungtiere.

Frisch geborenes Rehkitz, das im hohen Gras liegt
Neu geboren und schutzbedürftig | © Envato Elements

Nachbarschaftshilfe

Um die kleinen Rehkitze vor dem Mähen in Sicherheit zu bringen, wurde bis vor einigen Jahren jeder Zentimeter Feld und Wiese abgegangen und durchsucht. Eine Mammutaufgabe für die hiesigen Landwirte und Jäger. Denn die Rehkitze sind so gut getarnt, dass sie weder von Hunden gewittert noch mit bloßem Auge gesehen werden können. Mehr noch: Sie haben keinen natürlichen Fluchtinstinkt und ducken sich bei anstehender Gefahr noch tiefer in das hohe Gras. Dadurch sind sie nahezu unsichtbar. Bevor die Bauern in der Umgebung ihre Felder mähen, greifen sie daher seit einigen Jahren auf moderne Technik zurück. Sie nutzen Wärmebildkameras in der Luft – genauer Drohnen. Diese fliegen außerhalb des Sicherheitsbereichs über die Felder und suchen die Umgebung ab. Immer mit dabei ist unser Kollege von Ramin, der unterstützt und dabei mithilft, die gefundenen Rehkitze aus der Gefahrenzone zu holen. Wurde eine Wärmequelle entdeckt, wird diese sofort untersucht. Handelt es sich um ein Tier, wird dieses an den Feldrand gesetzt. „Alles im Sinne der guten Nachbarschaft und zum Wohle der Tiere!“, sagt von Ramin.

Drohnenfliegen am HAJ – das geht?!

Nahaufnahme einer Drohne mit Wärmebildkamera
Alles im Blick mit Wärmebildkamera | © Hannover Airport, J. von Ramin

Im Bereich des Flughafens herrscht normalerweise absolutes Drohnenverbot. Auf Initiative des professionellen Drohnenpiloten Christian Walter haben 2021 Landesluftfahrtbehörde, Hannover Airport, Deutsche Flugsicherung, Bundes- und Landespolizei sowie die Deutsche Bahn ihre Zustimmung zum Drohnenflug in unmittelbarer Nähe zur Einflugschneise 27R am Hannover Airport erteilt. Zusätzlich mussten Kontakte nach China geknüpft werden. Warum? Seitens des Drohnenherstellers war durch Voreinstellungen in der Software ein Abheben der Drohne innerhalb der sogenannten „NoFly-Zone“ in Flughafennähe nicht möglich. Die Flugsperre wurde durch den Hersteller temporär für diesen einen Flugtag aufgehoben.

Die insgesamt fünfwöchigen Vorbereitungen haben den Landwirten ermöglicht, in einem Pilotprojekt die Drohnensuche zu testen. Unter filmischer Begleitung. Das Ergebnis: Die innovative und nachhaltige Idee erhielt im Dezember 2023 einen Award beim Videowettbewerb „Aviation made in Niedersachsen“ in der Kategorie „Grünes Fliegen“:

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Der Film zeigt, wie die Felder der Landwirte vor dem Mähen aus der Luft abgesucht werden. So können die Kitze rechtzeitig geborgen werden und bleiben vor Verletzungen und dem Mähtod verschont. Das Video thematisiert die Entwicklung vom manuellen Absuchen über den Einsatz von regulären Drohnen bis hin zu modernen Wärmebild-Drohnen, die bei der Rehkitzsuche helfen. Im besonderen Kontext der technischen und rechtlichen Herausforderungen am Hannover Airport.

Darf jeder am HAJ eine Drohne fliegen?

Nein. Das Drohnenfliegen in Flughafennähe (bis zu 1,5 km vom Flughafenzaun entfernt) ist streng verboten. Die meisten Drohnen dürfen grundsätzlich nur von Profis geflogen werden, die einen Drohnenführerschein besitzen. Das ist aber noch nicht alles. Rund um den Hannover Airport braucht es zusätzlich zum Drohnenführerschein auch einen Flugfunkschein. Dieser erlaubt es, direkt mit dem Tower zu kommunizieren. Der Drohnenpilot holt sich so das „Go“ ab, bevor es mit der Drohne in die Luft geht. Erst dann hebt er ab. Der Kontakt mit dem Tower ist dauerhaft. Eine Abmeldung daher ebenfalls obligatorisch, sobald das Flugobjekt wieder sicher auf dem Landepad gelandet ist. Zwischenlandungen sind an der Tagesordnung, denn der Flugbetrieb geht immer vor.

Aviation made in Niedersachsen

Der Videowettbewerb Aviation made in Niedersachsen ruft unter anderem Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf, mittels Videobeitrag innovative Ideen für die Luft- und Raumfahrt sichtbar zu machen. Es geht um Ideen, die das Fliegen und die Raumfahrt sicherer, nachhaltiger, effizienter und bequemer machen.

Rehkitzrettung Region Hannover e.V.

Hinter der Rehkitzrettung steht ein Verein. Das Netzwerk Rehkitzrettung Region Hannover e.V. ist seit 2018 aktiv und hilft bei der Suche nach Rehkitzen. Es besteht aus mehreren einzelnen Kopterpiloten und Helfern. Seit 2021 handelt es sich um einen eingetragenen Verein.

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