Skip to main content Scroll Top
Logo Hannover Airport

Dem Sommer hinterher

Die Tage werden kürzer und am Morgen liegt schon ein Hauch von Herbst in der Luft. Für viele Menschen ist das der Moment, die Koffer zu packen und dem Sommer hinterherzufliegen. Gleichzeitig machen sich auch die Zugvögel auf ihre Reise gen Süden. Richtung Winterquartier. Manche ziehen nur wenige Kilometer weiter. Andere legen Tausende Kilometer zurück.

Am Flughafen sind dann zwei ganz unterschiedliche Arten von Reisenden zu sehen: die einen mit Koffer und Boardingpass, die anderen im Federkleid und einem erstaunlichen Orientierungssinn.

Flughafen und Vogelwelt?

Auf den ersten Blick scheint das nicht zusammenzupassen. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Beides harmoniert miteinander. Rund um den Flughafen finden Vögel wertvolle Lebensräume. Gezielte Maßnahmen sorgen dafür, dass der Flugverkehr und der Schutz der Tiere sicher miteinander verbunden werden.

Besonders auffällig am Himmel sind die typischen V-Formationen von Kranichen und Gänsen. Manche Vogelarten sind vertraut, andere überraschend oder nur selten zu sehen. Unterschiedlichste Zugvögel machen auf ihrem langen Weg Station am HAJ. Legen auf ihrer Reise bei uns eine Pause ein. Doch warum ziehen Vögel überhaupt? Wie orientieren sie sich auf ihren langen Reisen? Und welche Arten sind rund um den Airport unterwegs? Die fachlichen Einblicke dazu gibt Jürgen von Ramin. Wildlife Controller und Spezialist für Bird Control am HAJ.

zwischen Sommer und Winter

Der Vogelzug ist eine Anpassung an die jahreszeitlich wechselnden Lebensbedingungen. Im Herbst wird in den Brutgebieten Europas das Nahrungsangebot knapp. Viele Insekten verschwinden und die Witterungsbedingungen werden zunehmend ungünstig. In südlicheren Regionen finden die Tiere dagegen auch im Winter ausreichend Nahrung.

Der Zug ermöglicht es den Vögeln daher, jahreszeitlich die für sie günstigsten Lebensräume zu nutzen. Im Frühjahr kehren sie dann wieder in ihre Brutgebiete zurück. Sie finden dann während der warmen Jahreszeit optimale Bedingungen für die Fortpflanzung und Aufzucht ihrer Jungen.

Sicher über weite Strecken

Besonders beeindruckend ist, wie sicher viele Vögel über große Entfernungen navigieren.  Über große Entfernungen finden sie zuverlässig ihren Weg. Dafür nutzen sie nicht nur einen einzigen Orientierungssinn, sondern gleich eine Kombination verschiedener Orientierungsmechanismen. Wie genau diese Fähigkeiten funktionieren, ist bis heute noch nicht vollständig erforscht.

Ein Schwarm Rauchschwalben sitzend und fliegend auf dem Flughafengelände.
Rauchschwalben | © Hannover Airport, J. v. Ramin

Der Hannover Airport als Trittsteinbiotop

Auf ihren langen Reisen benötigen Zugvögel regelmäßig geeignete Rastplätze. Von ganz wenigen Ausnahmen wie unseren heimischen Mauserseglern abgesehen, können sie nicht einfach tausende Kilometer ohne Unterbrechung fliegen. Nach längeren Flugabschnitten müssen sie Nahrung aufnehmen. Ihre Energiereserven wieder auffüllen.

Unser Flughafen ist auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Ort für Zugvögel. Flugzeuge starten und landen, Betriebsfahrzeuge sind unterwegs und überall finden sich technische Anlagen. Dennoch können unsere Betriebsflächen auch für die Vogelwelt eine überraschend wichtige Funktion als Rastgebiet haben. Der Grund liegt vor allem in den weitläufigen Grünflächen unseres Airports.

unseres Betriebsgeländes sind unversiegelte Flächen.

Während in der Landwirtschaft nach der Ernte zahlreiche Flächen umgebrochen und neu bestellt werden, bleibt unser Flughafengelände als verlässlicher Nahrungsraum erhalten. Unverändert. Magerrasen, schüttere Vegetation, Stauden und Blütenpflanzen bieten auch im Herbst noch Lebensraum für zahlreiche Insekten, die wiederum die Nahrungsrundlage für unsere Zugvögel darstellen und ihnen dazu dienen, ihre Fettreserven aufzufüllen.

Eine besondere Bedeutung hat dabei der Hannover Airport für Durchzügler wie Steinschmätzer, Braunkehlchen, Star, Kiebitz und Rauchschwalbe. Sie halten sich im Herbst teilweise mehrere Wochen auf dem Flughafengelände auf. Unser Flughafen wird damit zu einer „Tankstelle“ auf dem Vogelzug.

Bodenfilteranlagen als Rastplatz für Watvögel

Eine weitere wichtige Rolle spielen die Nebenanlagen des Flughafens. Besonders interessant sind die Schlammflächen unserer Bodenfilteranlagen. Diese offenen, feuchten Bereiche werden von verschiedenen Watvögeln zur Rast und Nahrungssuche genutzt. Sie bieten den Nahrungsspezialisten gute Möglichkeiten nach kleinen Wirbellosen zu suchen.

Gerade auf dem Vogelzug sind solche offenen und feuchten Rastplätze wertvoll, weil geeignete Lebensräume in der intensiv genutzten Kulturlandschaft nur spärlich vorhanden sind. Regelmäßig gehören zu unseren Gästen Grünschenkel, Alpenstrandläufer, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer, Bekassinen und Zwergschnepfen.

Auch Enten machen Zwischenstopp

Eine weitere ökologische Komponente sind offene Wasserflächen unseres Flughafens. Sie dienen Wasservögeln während des Vogelzuges als Rast- und Aufenthaltsorte. Besonders die Krickenten lieben das Flachwasser in den Speicherbecken unserer Bodenfilteranlagen. Daneben werden aber auch weniger häufige Entenarten wie Löffelente, Spießente, Schnatterente und Pfeifente beobachtet, die während des Zuges unsere Gewässer zur Rast nutzen.

Damit entsteht auf dem Flughafengelände ein überraschend vielfältiges Mosaik verschiedener Lebensräume: Magerrasen, Stauden und Blütenpflanzen als Grundlage für ein reiches Insektenangebot für durchziehende Insektenfresser. Schlammflächen für Watvögel und offene Wasserflächen für Enten und andere Wasservögel.

Ein unerwarteter Trittstein

Gewiss ist ein Flughafen kein natürlicher Lebensraum und auch kein Naturschutzgebiet. Seine besondere Nutzung und Pflege führen jedoch dazu, dass bei uns Strukturen erhalten bleiben, die in der umgebenden Kulturlandschaft immer seltener zu finden sind.

Ein Brachvogel steht auf der Grünfläche vor dem Rollleitschild des Taxiway "Golf".
Großer Brachvogel | © Hannover Airport, J. v. Ramin

Für Zugvögel kann ein solcher Flughafen deshalb mehr sein als nur ein Ort, den sie überfliegen. Er kann ein wichtiger Zwischenstopp auf einer langen Reise sein – ein Trittstein, an dem sie Nahrung finden, ihre Fettreserven auffüllen und anschließend ihren Zug fortsetzen können.

So treffen bei uns zwei völlig unterschiedliche Formen des Reisens aufeinander, die nur den Flug gemeinsam haben: Passagiere auf ihrer Reise mittels Flugzeug und Zugvögel, die das Gelände als Rastplatz auf ihren natürlichen Wanderungen nutzen – ohne Hilfsmittel und mit eigenem Flügelschlag.

Jürgen von Ramin, Wildlife Controller am HAJ

Jürgen von Ramin überwacht das Vogelaufkommen auf dem Flughafengelände und sorgt dafür, dass Vögel nicht zur Gefahr für den Flugverkehr werden. Für die Erreichbarkeit aller Flugbetriebsflächen nutzt er ein Amphibienfahrzeug.
Jürgen von Ramin ist Wildlife Controller am HAJ. Seit vielen Jahren beobachtet und erfasst er die Vögel am Flughafen. Dabei verbindet er seine große Leidenschaft für die Ornithologie mit seiner täglichen Arbeit für die Sicherheit des Flugverkehrs.| © Hannover Airport, M. Kruszewski

Beitrag teilen

AUCH INTERESSANT?

Clear Filters
Thomas Rempel transformiert die Energieprozesse am HAJ. © Hannover Airport
Reiche Ernte | © Hannover Airport, M. Lindert
CO2-Piloten fahren elektrisch. © Hannover Airport