Sicher Abheben beginnt am Boden
Es herrschen frostige Temperaturen und dicke Schneeflocken tanzen vom Himmel. Der Winter ist da. Auf dem Vorfeld läuft alles auf Hochtouren. Nicht nur die Schneeräumzüge sind im Einsatz. Auch das De-icing-Team gibt Vollgas. Und das mit ganz speziellen Fahrzeugen. Die Profis sorgen dafür, dass startklare Flugzeuge schnell und sicher enteist werden. Sie sind geschult. Sie kennen jeden Handgriff. Während der ganzen Wintersaison stehen sie in Bereitschaft.
Eisfrei für die Sicherheit
Damit ein Flugzeug sicher starten kann, muss es im Winter enteist werden. Warum das wichtig ist? Vereisung beeinträchtigt die Aerodynamik. Und das beeinflusst den Auftrieb. Zudem erhöht sich das Gewicht. Auch bewegliche Teile können durch Eis blockiert werden. Kurz gesagt: Ein Flugzeug braucht saubere Flächen, um sicher abzuheben. Erst enteisen, dann starten.

Koordination im Hintergrund
Ob eine Enteisung nötig ist, entscheidet immer die Pilotin oder der Pilot. Grundlage dafür sind die airlinespezifischen Vorgaben und Procederes. Wir legen großen Wert auf die konsequente Einhaltung des sogenannten Clean Aircraft Concepts: Ein Flugzeug muss vollständig von Schnee und Eis befreit sein, damit ein sicherer Start gewährleistet ist.
Das Enteisen wird via Funk bei der Vorfeldkontrolle bestellt. Das Team auf den De-icing-Positionen besteht aus aktuell 28 Mitarbeitenden, die im Schichtbetrieb im Einsatz sind.
Seit dieser Saison unterstützen zwei ganz neue Fahrzeuge die De-icing-Flotte. Die Marke bleibt: Elephant® BETA der Firma Vestergaard (DK). Auf den ersten Blick sehen sie aus wie gewöhnliche Lkw. Doch sie können weitaus mehr. Sie stehen für modernes Enteisen. Weltweit.
ENTEISUNGSSAISON IST VON
OKTOBER BIS APRIL

AUF DEN PUNKT
Flugzeuge enteisen und gleichzeitig Ressourcen schonen: mit moderner Düsentechnik. Damit wird das Enteisungsmittel sparsam, aber wirkungsvoll auftragen. So reduzieren wir den Verbrauch und schonen die Umwelt.

DAS MITTEL ZUM ZWECK
Bei der Flugzeugenteisung wird ein heißes Glykol-Wasser-Gemisch aufgetragen.

DE-ICING-FAHRZEUGE
WASSERAUFBEREITUNG NATÜRLICH
Bei der Enteisung von Flugzeugen entsteht Abwasser. Das abtropfende Wasser wird zu 100 Prozent aufgefangen. Es wird in Klär- und Bodenfilteranlagen gesammelt. Kleinste Bakterien reinigen es. Anschließend gelangt es ohne Rückstände zurück in den Wasserkreislauf. So schonen wir Ressourcen und Umwelt.
ENTEISUNGEN IM JANUAR
(Stand: 31.01.2026)
Ein Mann – ein Fahrzeug
„Eisbär“, so wird das Spezialfahrzeug liebevoll von den Mitarbeitern genannt. Gesteuert wird es von nur einem Mitarbeiter. Er sitzt dabei in einer schwenkbaren Kanzel. Auf über 12 Meter Höhe ist sie ausfahrbar. Per Joystick lässt sich das Fahrzeug hin- und herrangieren, die Kanzel drehen, hoch- bzw. runterfahren und mit dem Sprüharm zielgenau sprühen. Ganz präzise. Jeder Eisbär hat in seinen Tanks 4.000 Liter Wasser, 2.000 Liter De-icing-Fluid Typ I und 2.000 Liter De-icing-Fluid Typ IV.
Tolle Technik
Der teleskopische Sprühboom ist beeindruckend. Er hält die Düse bei nahezu jedem Flugzeug im idealen Abstand. Konstant. Der Ausleger fährt auf bis zu 12 Meter aus, optional sogar auf 14 Meter. Die Düsenreichweite beträgt bis zu 21 Meter. Dadurch vergrößert sich der Arbeitsbereich um mehr als 40 Prozent. Großartig. Das durchdachte Design überzeugt. Die maximale Flexibilität bleibt erhalten – unabhängig vom Flugzeugtyp.
Ein ganz besonderes Highlight: das Rückwärtsspritzen. Die Düse erlaubt das Enteisen vom hinteren Flügelende aus. Klappen, Leitwerke und andere Bauteile bleiben unberührt. Das erhöht die Präzision und spart Enteisungsflüssigkeit.


Die Mischung macht’s
Am HAJ kommen zwei verschiedene Enteisungsmittel zum Einsatz. Die Flüssigkeit wird im sogenanten One- oder Two-Step-Verfahren aufgesprüht. Je nach Witterung.
Im ersten Arbeitsgang wird das Flugzeug mit einem 65 Grad heißen Gemisch aus Wasser und Enteisungsmittel Typ I behandelt. Typ I ist orange und wird eingesetzt, um bestehenden Frost oder Schnee von den Flugzeugen zu entfernen.
Beim Two-Step-Verfahren werden die Flugzeugflächen zusätzlich mit dem konzentrierten ADF-Mittel Typ IV überzogen. Typ IV ist grün, wird unverdünnt und nicht erwärmt aufgetragen. Dieses Fluid kommt bei Niederschlag wie (Schnee-)Regen, Schnee oder gefrierendem Nebel zum Einsatz. Es wirkt wie ein Schutzfilm. Und verhindert eine Wiedervereisung bis zum Start. Vor allem bei feuchtem Winterwetter mit Eisregen und gefrierendem Nebel leistet das grüne Schutzmittel wertvolle Dienste.
Nach dem Enteisungsprozess muss das Flugzeug in einem bestimmten Zeitrahmen abheben. Außentemperatur und Niederschlag sind dabei zu berücksichtigen. Verstreicht die Frist, ist eine erneute Enteisung nötig.
Die unterschiedlichen Farben erhalten die Fluids durch Lebensmittelfarbe. Der Grund? Bessere Sichtbarkeit beim Enteisungsvorgang.
Alle für einen
Das Enteisen muss schnell gehen. Deshalb nehmen gleich zwei Enteisungsfahrzeuge die Arbeit am Flugzeug auf. Bei besonders großen Flugzeugen sind vier Eisbären im Einsatz. Punktgenau sprühen die Spezialisten in der Kabine alle Flächen des Fliegers mit heißem Enteisungsmittel ein. Pro Maschine dauert der Vorgang vier bis sieben Minuten. Je nachdem, wie stark die Tragflächen, der Rumpf und das Leitwerk vereist sind.
Mit dabei ist außerdem immer ein grünes Einsatzfahrzeug: das De-icing Pad Control. Es positioniert sich während des Enteisungsvorgangs vor dem Flugzeug. Gut sichtbar. Das Fahrzeug dient als zentrale Kommunikations- und Koordinationsstelle zwischen den Enteisern und dem Icehouse (Vorfeldkontrolle im Tower). Kontrolle und Sicherheit sind oberstes Gebot. Denn erst wenn alles abgeschlossen ist, darf der Pilot weiterrollen.


Mit guter Vorbereitung, intensiven Schulungen und wachsamen Blicken auf das Wetter schafft der HAJ beste Voraussetzungen für einen sicheren Flugbetrieb. Bei extremem Wetter lassen sich Einschränkungen aber nicht immer vermeiden. Dennoch gilt: Die Sicherheit der Passagiere hat oberste Priorität.
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